Großschäden können jederzeit eintreten und hierbei sogar die Existenz bedrohen. In der Praxis bewerten viele Unternehmen die Risiken und ihre potenziellen Auswirkungen zu optimistisch.

Durch einen elektrischen Defekt bricht in einer Produktionshalle ein Feuer aus; weite Teile des Betriebsgeländes werden aufgrund anhaltenden Starkregens überschwemmt oder ein Cyberangriff setzt die zentrale IT außer Betrieb: Unternehmen sind im Geschäftsalltag einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt. Großschäden verursachen erhebliche Kosten. Die Fortführung des gesamten Geschäftsbetriebs ist gefährdet, sobald zentrale Produktionsanlagen oder IT-Systeme von einem schweren Schaden betroffen sind. Angesichts international verzweigter Lieferketten gilt dies verstärkt auch für Standorte von Zulieferern und deren Zulieferer mit Auswirkungen auf die eigene Wertschöpfungskette. So kann bereits der Lieferausfall eines Bauteils oder der Wegfall eines Standortes die komplette Wertschöpfungskette lahm legen. Dem Unternehmen gehen dadurch erhebliche Umsatzerlöse verloren. Zudem drohen massive Imageschäden. Dabei zeigt sich immer öfter: Das Schadenausmaß einer Betriebsunterbrechung übersteigt den vorausgegangenen Sachschaden um ein Vielfaches.

Die Umsetzung eines betrieblichen Risikomanagements gewinnt daher immer mehr an Bedeutung. Nicht nur die Geschäftsführung ist hier im Rahmen ihrer Sorgfaltspflichten gefordert. Auch Kunden setzen von ihren Lieferanten und Geschäftspartnern verstärkt angemessene Schutzmaßnahmen voraus. Die vielfältigen betrieblichen Risiken lassen sich jedoch nur durch ein systematisches Vorgehen identifizieren und müssen zudem realistisch eingeschätzt werden. Doch wie sieht das in der unternehmerischen Praxis aus?

Erfahrungsgemäß wird die Eintrittswahrscheinlichkeit existenzbedrohender Risiken häufig als zu gering bewertet oder Folgen eines Ereignisses als zu optimistisch eingeschätzt. Infolgedessen werden Maßnahmen vorgesehen, die bei Großschäden nicht mehr greifen, da die definierten Ausweichmöglichkeiten technologisch oder mengenmäßig nicht zur Verfügung stehen. Unternehmen sollten sich daher fragen: Kann die Produktion wirklich verlagert werden? Gibt es logistische, regulatorische oder fertigungstechnische Hemmnisse?

Aus den Analyseergebnissen werden Gefahrenpotenziale erkennbar, deren Ausmaße sich dann durch gezielte organisatorische und sicherheitstechnische Maßnahmen nachhaltig begrenzen lassen. Hierzu gehören beispielhaft die Erstellung eines Notfallplans im Rahmen eines Business Continuity Managements und der Einsatz technischer Schutzeinrichtungen.

Welche Maßnahmen im Einzelfall ratsam sind, wissen auch Sicherheitsingenieure professioneller Industrieversicherer. Ihr großer Vorteil: Sie sind mit Sicherheitskonzepten in vielzähligen Branchen vertraut. Oft ermöglicht erst dieser Blick von außen eine unabhängige Betrachtung und Bewertung der betrieblichen Risiken, insbesondere wenn diese existenzbedrohende Ausmaße annehmen können.

Autor
Dr. Jörg Ohlsen,
Geschäftsführer HDI Risk Consulting

 

Beitragsbild: BernardaSv / iStock

 

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