Die letzten Jahre waren für Versicherer wenig rentabel. Besonders in der D&O-Versicherung überstiegen die Schäden die Einnahmen erheblich, wie aus einer Übersicht des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht. Nun ziehen die Versicherer die Reißleine und passen ihre Vertragswerke und Prämien an. Wir informieren über die aktuellen Entwicklungen und wagen einen Ausblick in die Zukunft des D&O-Markts.

Prämienerhöhungen bei den Industrie-Versicherungen

Die Industrie-Versicherungen haben zum Jahreswechsel 2020/2021 eines der intensivsten Verlängerungsphasen – Renewal – der letzten 20 Jahre hinter sich gebracht. Die Preise für Industrieversicherungsverträge sind 2021 gewaltig gestiegen. Das kommt für viele Firmen in der Pandemie zur Unzeit. In der deutschen Industrie hat sich viel Wut über das Verhalten der Versicherer in der jüngsten Erneuerungsrunde aufgebaut. Vor allem für die Absicherung gegen Pflichtverletzungen muss nun wesentlich mehr Geld bezahlt werden. Allerdings war der Versicherungsschutz in den vergangenen 10 Jahren sehr günstig. Die Anbieter machten sich scharfe Konkurrenz, die Preise sanken. Das führt zu roten Zahlen in den Bilanzen der Versicherer. Jetzt ziehen sie die Reißleine – und passen ihre Prämien entsprechend an.

Veränderte Marktlage in der D&O-Versicherung

Die D&O-Versicherung ist von den Preissteigerungen auffallend stark betroffen. D&O-Policen sichern Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsräte gegen Schadenersatzansprüche ab, die aus ihrer Tätigkeit als Organ einer Gesellschaft entstehen können. Es handelt sich um eine besondere Form einer Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung. Sie deckt in der Regel Schäden ab, die aus Innen- oder Außenansprüchen entstehen können. In diesem Versicherungsbereich waren die Bilanzen der Versicherer in den letzten Jahren so negativ, dass viele D&O-Versicherungsanbieter inzwischen ganz aus dem Markt ausgestiegen sind. Die verbleibenden Marktteilnehmer zeigen einen deutlich reduzierten Risikoappetit oder zeichnen derzeit überhaupt kein Neugeschäft. Die Prämien steigen teilweise massiv an, die Versicherungssummen werden gekürzt, die Bedingungswerke verschärft. Beispiele: Ein Zentrifugen-Hersteller vermeldet zwar eine gleichbleibende Prämie – allerdings bei gleichzeitiger Absenkung der Deckungssumme um 50 Prozent. Eine Aktiengesellschaft aus der Steuerungstechnik musste sich damit abfinden, dass ihre Deckungssumme um 60 Prozent reduziert und die Prämie verdoppelt wurde. Die Liste ist endlos. Die Prämienerhöhungen machen zum Teil bis zu 100 Prozent aus. Etliche Assekuranzen setzen obendrein den Hebel bei den Vertragsbedingungen an.

Ausblick in die Zukunft des D&O-Marktes

Gleichwohl ist eine differenzierte Betrachtung wichtig. Kleinere und mittlere Unternehmen waren von dieser Bewegung bisher kaum betroffen. Aber auch bei diesen Unternehmen dreht sich das Bild in Richtung spürbarer Prämienerhöhungen, wie die Verhandlungen bei anstehenden Verlängerungen zeigen. Natürlich haben Anbieter bereits ihre Neugeschäftsprämien angepasst und neuerdings ein erhöhtes Informationsbedürfnis. Dies gilt insbesondere für die Fragen nach den Auswirkungen von Covid-19-Risiken auf das Unternehmen. Große Industriekunden und exponierte Risiken hingegen trifft es gerade sehr deutlich und teilweise auch unverhältnismäßig. Die Lage könnte für die Unternehmen noch einige Jahre unerfreulich bleiben. Die diesjährigen Erhöhungen sind nur der Anfang, kündigen einige Industrieversicherer an. Ein international exponierter Erstversicherungskonzern, einer der größten D&O-Anbieter, will zum Beispiel demnächst bestimmte Risiken ausschließen, unter anderem bei Insolvenzen.

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Kontakt:
Herr Frank Oliver Keller
VSMA GmbH – ein Unternehmen des VDMA
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