Der akute Arbeitskräftemangel führt laut einer VDMA-Umfrage bei fast 50 Prozent der Maschinen- und Anlagenbauer zu Umsatzeinbußen. Um dem entgegenzuwirken und die Effizienz zu steigern, setzen immer mehr Unternehmen auf Automatisierungslösungen. Moderne, automatisierte Lagersysteme und „Geisterschichten“, in denen Maschinen den Betrieb unterstützen, bieten große Potenziale – bergen jedoch auch neue Risiken. Die Sachversicherer reagieren darauf mit steigenden Anforderungen an den Brandschutz.

„Geisterschichten“: Erhöhtes Risiko unentdeckter Entstehungsbrände
Not macht bekanntlich erfinderisch: Angesichts zunehmender Personalengpässe setzen viele mittelständische Unternehmen verstärkt auf automatisch betriebene Maschinen, die teilweise selbstständig Schichten übernehmen. Während dieser „Geisterschichten“ bleibt der Betrieb oft völlig unbeaufsichtigt. Für die Unternehmen bedeutet das Einsparungen bei den Personalkosten – für die Sachversicherer allerdings ein neues, erhebliches Brandrisiko.

Von maschinellen Anlagen wie Einbrenn- und Trockenöfen, Antriebsmaschinen, Härtebädern oder Kompressoren gehen unterschiedliche Brandgefahren aus. Diese ergeben sich aus spezifischen Eigenschaften dieser Anlagen, wie zum Beispiel stark erhitzte Oberflächen, dem Vorhandensein brennbarer Gase und Dämpfe sowie der Verwendung brennbarer Stoffe wie Öle und Kraftstoffe. Hinzu kommt die Gefahr der Überhitzung durch Reibung.

Selbst bei sachgemäßer Handhabung der Werkzeugmaschinen ist die Brandgefahr nicht zu unterschätzen. Bei Abwesenheit des Bedienpersonals während der sogenannten „Geisterschichten“ ist ein höheres Risiko vorhanden, da ein möglicher Entstehungsbrand oftmals nicht sofort erkannt wird. Die Sachversicherer fordern daher in der Regel zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für den Betrieb vollautomatischer Maschinen im unbeaufsichtigten Betrieb.

Automatisierte Lagersysteme: Effizienzsteigerung mit neuen Brandgefahren
Während „Geisterschichten“ vor allem in der Produktion zum Einsatz kommen, spielt die Automatisierung in der Lagerlogistik eine ebenso zentrale Rolle. Immer mehr Maschinen- und Anlagenbauer stellen ihr Unternehmen auf moderne, teil- oder vollautomatische Lagersysteme um. Diese innovativen Technologien sind ein wichtiges Instrument zur Effizienzsteigerung – sie bergen aber auch spezifische Brandrisiken.

Hochautomatisierte Lösungen sparen Arbeitskräfte, nutzen den begrenzten Lagerraum optimal aus und verbessern die Kommissionierung. Da auf Personal und große Flurförderzeuge keine Rücksicht mehr genommen werden muss, werden Gänge oft verkleinert oder ganz aufgelöst, was zu einer brandgefährlichen Verdichtung der Lagerräume führt. Zudem werden Produkte häufig in offenen, brennbaren Kleinladungsträgern gelagert, was die Brandlast auf engem Raum zusätzlich erhöht.

Darüber hinaus bergen die Systemkomponenten wie Roboter, Shuttles, Batterien, Kräne und Ladestationen spezifische Risiken. Überhitzung, elektrische Defekte oder Kollisionen können Brände auslösen oder explosive Gase freisetzen. Ohne feuerbeständige Abtrennungen breiten sich Flammen und Rauch in den verdichteten Lagerräumen schnell aus und verursachen massive Schäden. Die neuen Gefahren moderner Lagersysteme machen daher eine gründliche Risikoanalyse und eine durchdachte Brandschutzstrategie unabdingbar.

Automatisierung und Brandschutz: Die Anforderungen der Sachversicherer
Um die durch die Automatisierung entstehenden neuen Risiken zu versichern, fordern Sachversicherer in der Regel folgende bauliche und technische Maßnahmen, die darauf abzielen, potenzielle Brandgefahren zu minimieren:

  • Feuerbeständige Trennung: Sowohl bei automatisierten Lagersystemen als auch bei unbeaufsichtigt arbeitenden Maschinen muss eine feuerbeständige Trennung vom übrigen Produktionsbereich gewährleistet sein.
  • Brandfrüherkennungssysteme: Die Installation von Brandmeldesystemen, die direkt mit einer ständig besetzten Stelle oder der Feuerwehr verbunden sind, gewährleistet eine schnelle Reaktion im Brandfall.
  • Automatische Löschanlagen: Vollautomatische und unbeaufsichtigte Maschinen und Lagersysteme sollten mit automatischen Löschanlagen (zum Beispiel CO2-Löschanlage, Sprinkleranlage oder Sauerstoffreduktionsanlage) ausgestattet sein, die im Brandfall selbsttätig eingreifen, um den Schaden entsprechend einzugrenzen.
  • Wartung und Inspektion: Brandschutzsysteme und automatisierte Maschinen/Lagersysteme müssen regelmäßig inspiziert und gewartet werden, um technische Defekte frühzeitig zu erkennen und zu beheben.
  • Sicherheitseinrichtungen: Vorprogrammierte Sicherheitsvorkehrungen wie automatische Abschaltungen und Notbremsungen sind unerlässlich, um das Risiko eines Brandes zu verringern oder einen entstehenden Brand schnell zu stoppen.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen: Automatisierung sicher gestalten
Automatisierung ist mehr als ein Trend – sie ist der Schlüssel zu Wettbewerbsfähigkeit und Effizienzsteigerung. Doch mit den großen Chancen wachsen auch die betrieblichen Risiken. Bei „Geisterschichten“ und automatisierten Lagersystemen ist daher ein durchdachtes Brandschutzkonzept unerlässlich. Dieses Konzept und ein entsprechender Notfallplan sollten in enger Zusammenarbeit mit den Brandschutzsachverständigen, der Feuerwehr und dem Sachversicherer entwickelt werden, um im Ernstfall schnelle und effektive Löscharbeiten zu gewährleisten.

Um sicherzustellen, dass Ihr Versicherungsschutz bei der Automatisierung von Produktionsprozessen oder Lagersystemen nicht gefährdet wird, empfehlen wir Ihnen, Ihren Versicherer oder Versicherungsmakler frühzeitig – idealerweise bereits in der Entscheidungs- oder Planungsphase – zu informieren. Nur so können mögliche Konflikte in der Versicherbarkeit frühzeitig erkannt und Lösungen entwickelt werden, die sowohl den brandschutztechnischen Anforderungen als auch den wirtschaftlichen Zielen des Unternehmens gerecht werden. Eine umfassende Absicherung der neuen Risiken ist nur gewährleistet, wenn die geplante Anschaffung unverzüglich dem Versicherer gemeldet wird.

Unterstützung durch die VSMA: Beratung schon in der Planungsphase

Planen Sie eine Modernisierung, einen Neubau oder Umbau und sind unsicher bezüglich der Brandschutzanforderungen der Sachversicherer? Die VSMA fördert den Dialog mit den Versicherern und hilft, Lösungen zu finden, die den Brandschutz sicherstellen, ohne den Fortschritt zu bremsen. Gemeinsam mit allen Beteiligten entwickeln wir maßgeschneiderte Absicherungskonzepte, die Ihr Unternehmen sicher und wirtschaftlich voranbringen.
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Beitragsbild: panuwat phimpha / Shutterstock

Kontakt:
Frau Nina Nodorf
VSMA GmbH – ein Unternehmen des VDMA
Telefon +49 69 6603-1721
nnodorf[at]vsma.org

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