D&O-Risiken entstehen heute nicht mehr nur im Krisenfall. Geopolitische Entwicklungen, Cybervorfälle, KI-Projekte und Umweltfragen rücken Geschäftsleiter zunehmend in die Haftungsverantwortung. Der Beitrag ordnet die zentralen Risikotreiber für das Jahr 2026 ein und zeigt auf, warum eine gute Governance zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird.

Die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wirken sich inzwischen direkt auf den Maschinen- und Anlagenbau aus. Exportabhängige Geschäftsmodelle sind von jedem neuen Sanktionspaket, jedem Handelskonflikt und jeder Verschiebung in den Absatzmärkten betroffen.

„Geopolitik ist für viele mittelständische Maschinenbauer vom Randthema zum echten Geschäftsrisiko geworden“, betont Frank Oliver Keller, Leiter D&O-Versicherungen bei der VSMA GmbH. „Wer hier nicht vorausschauend denkt, riskiert nicht nur Ertragseinbußen, sondern auch persönliche Haftungsfragen.“

Cyberangriffe: Produktionsstillstand als Haftungsfalle
Cybervorfälle treffen heute auch kleinere und mittlere Betriebe mitten in der Wertschöpfung: verschlüsselte Server, blockierte Steuerungen und Stillstand in der Montage oder im Service sind die Folge. Neben den direkten Schäden stellt sich dann schnell die Frage, ob die Geschäftsleitung ausreichend vorgesorgt hat.

„Wir sehen heute vermehrt Fälle, in denen akuter Klärungsbedarf besteht: Gab es ein angemessenes IT-Sicherheitskonzept, waren Zuständigkeiten klar geregelt, existierte ein Notfallplan?“, so Keller. „Wer das Thema Cyber weiterhin als reines IT-Problem behandelt, bringt sich als Geschäftsführer unnötig in Erklärungsnot.“

KI in Praxisprojekten: Chancen und Grenzen klar benennen
Künstliche Intelligenz hält nach und nach Einzug in konstruktionsnahe Prozesse, Servicekonzepte und die Produktion – etwa bei Zustandsüberwachung, Qualitätssicherung oder Angebotskalkulation. Die Technik eröffnet Chancen, birgt aber auch Kommunikationsrisiken, wenn Fähigkeiten und Effekte zu optimistisch dargestellt werden.

„Im Mittelstand entstehen Haftungsrisiken bei KI weniger durch spektakuläre Fehlfunktionen als durch überzogene Versprechen gegenüber Kunden und Kapitalgebern“, erläutert Keller. „Entscheider sollten sehr genau differenzieren: Was ist heute erprobt und belastbar – und was hat noch Pilotcharakter oder ist reine Vision?“

Umwelt- und Stoffrisiken: Lieferkette im Blick behalten
PFAS und andere „Forever Chemicals“ mögen auf den ersten Blick weit vom Maschinenbau entfernt erscheinen. Tatsächlich rücken jedoch Umwelt- und Stoffthemen durch regulatorische Vorgaben und Kundenanforderungen zunehmend in die Lieferkette hinein.

„Viele Maschinenbauer sind indirekt betroffen, etwa über Zulieferteile, Beschichtungen oder Kundenbranchen mit hohen regulatorischen Standards“, sagt Keller. „Wichtig ist, die eigene Rolle zu kennen, relevante Risiken zu dokumentieren und gegenüber Kunden und Banken jederzeit auskunftsfähig zu sein.“

Krise, Liquidität, Insolvenzgefahr: Dokumentation ist Gold wert
Steigende Zinsen, eine volatile Nachfrage, lange Zahlungsziele und hohe Projektvolumina erhöhen den finanziellen Druck. Gerät ein Unternehmen in eine Schieflage, wird im Nachhinein genau geprüft, wie die Geschäftsführung gehandelt hat.

„Spätestens in der Phase erhöhter Unsicherheit – wenn erste Warnsignale sichtbar werden – kommt es auf saubere Prozesse und Dokumentation an“, betont Keller. „Wer Sanierungsoptionen prüft, frühzeitig das Gespräch mit Banken sucht und Entscheidungen nachvollziehbar protokolliert, steht deutlich besser da, falls später Vorwürfe erhoben werden.“

Fazit: Was Entscheider jetzt tun sollten
Für Geschäftsführer und Inhaber von Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus bedeutet das: D&O-Risiken lassen sich nicht vollständig vermeiden, aber strukturiert managen. Dazu gehören die kontinuierliche Bewertung geopolitischer Entwicklungen, ein Mindeststandard in puncto Cyber- und Krisenorganisation, klare Regeln für den Einsatz von KI sowie ein wacher Blick auf Umwelt- und Lieferkettenrisiken.

„Gute Governance ist heute ein echter Wettbewerbsfaktor“, fasst Keller zusammen. „Wer Risiken offen anspricht, Zuständigkeiten klärt und seine Entscheidungen nachvollziehbar macht, schützt nicht nur sich selbst – sondern macht sein Unternehmen insgesamt robuster für ein anspruchsvolles Jahr 2026.“

 

Beitragsbild: tadamichi / Shutterstock

Kontakt:
Herr Frank Oliver Keller
VSMA GmbH – ein Unternehmen des VDMA
Telefon +49 69 6603-1539
fkeller@vsma.org

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