Das Thema ist brisant und auch für den Maschinen- und Anlagenbau aktuell. Durch den weltweiten Einsatz von Führungskräften und Mitarbeitern in Krisenregionen besteht für diese ein potenzielles Risiko, in die Hände von Entführern zu geraten. Seit einigen Jahren schließen Unternehmen spezielle Entführungsversicherungen ab – Tendenz steigend.

Immer wieder sorgen Entführungen und Geiselnahmen für Schlagzeilen. Jedes Jahr werden rund 12.500 Entführungen gemeldet. Spitzenreiter in der „Entführungsindustrie“ sind Lateinamerika, Russland und Asien. Neben politischen Motiven ist der Anreiz für die Täter nach wie vor zumeist finanzieller Natur. Häufig sind deutsche Staatsbürger das Ziel, denn sie gelten wegen hoher Lösegeldzahlungen als lukrative Beute. So forderten im vergangenen Jahr die Entführer der fünf Deutschen in Ägypten Berichten zufolge von der Regierung sechs Millionen Dollar. Nach offizieller Aussage werden derartige Zahlungen nicht geleistet, dennoch ist die Liste der Fälle, in denen Lösegeldzahlungen in Millionenhöhe im Spiel gewesen sein sollen, lang.

Hohe Nachfrage

Nach einem Gerichtsurteil des vergangenen Jahres müssen Entführte die Kosten ihrer Befreiung mittragen. Grund Genug für viele Firmen, sich nach einer Versicherung für ihre Mitarbeiter umzusehen. Besonders mittelständische Firmen der Investitionsgüterindustrie, die in Krisenregionen Aufträge abwickeln, interessieren sich für die Entführungsversicherung. Die VSMA verzeichnete in den letzten 12 Monaten eine deutliche Zunahme der Nachfrage aus dem Kreis der VDMA-Mitgliedsunternehmen.   Lange  hatte sich die Aufsicht für das Versicherungswesen gesträubt, eine Deckung von Lösegeldforderungen bei entführten oder mit Gewalt bedrohten Personen zu legalisieren. Es wurde befürchtet, erpresserischer Menschenraub könne durch diesen finanziellen Schutz gefördert werden. Aufgrund der Erfahrungen in anderen europäischen Staaten, gaben vor etwa zehn Jahren die Behörden ihren Widerstand auf und erteilten die Zulassung. Nach wie vor befassen sich nur sehr wenige Anbieter mit diesem heiklen Thema und bieten entsprechende Versicherungslösungen. Die Branche ist zu absoluter Vertraulichkeit verpflichtet; Werbung für dieses Spezialprodukt ist verboten.

Krisenberatung als Bestandteil

Der Abschluss einer Entführungsversicherung erfolgt nicht „von der Stange“ und ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Um eine maßgeschneiderte Lösung zu erarbeiten, werden detaillierte Informationen benötigt. Die Risikoanalyse erfolgt anhand von ausführlichen Angaben zum Unternehmen, den zu versichernden Personen, den Hauptreisezielen sowie eventuell vorhandenen Krisenplänen. Der Versicherungsschutz selbst gilt in der Regel vorbehaltlich einer Präventionsberatung durch einen vom Versicherer empfohlenen Krisenberater, bei dem ein Maßnahmenkatalog festgelegt wird.

Vertragsgestaltung

Versichert werden entweder Einzelpersonen oder ein definierter Personenkreis (zum Beispiel die Geschäftsführer). Erstattet werden im Fall einer Entführung das Lösegeld, aber auch die Kosten für das Krisenmanagement, Vermittler, Dolmetscher sowie Psychater und Ärzte zur Nachbetreuung. In der Regel ist der Abschluss der Versicherung nur als Pauschallösung in Form einer weltweit gültigen Jahrespolice möglich. Eine „Ausschnittsdeckung“ zum Beispiel für eine bevorstehende Reise in ein bestimmtes Land ist nur in Ausnahmefällen und nach gesonderter Prüfung erhältlich.
„Die von unseren Kunden nachgefragten Versicherungssummen tendieren zwischen einer und zehn Millionen Euro. Für jedes Unternehmen wird die Prämie individuell ermittelt“ so Frank Antoni, Kundenbetreuer der VSMA. Die Dienstleistungstochter des VDMA konnte anhand der zuletzt vorgenommenen Ausschreibungen feststellen, dass der Markt bei der Entführungsversicherung zurzeit ein sehr attraktives Preis-Leistungs-Niveau bietet. Weitere Informationen und eine ausführliche Beratung erhalten die Mitgliedsunternehmen bei der VSMA.