Montageprojekte werden internationaler, größer und vertraglich anspruchsvoller. Gleichzeitig halten sich in vielen Unternehmen hartnäckige Annahmen, die heute zu erheblichen Deckungslücken führen können. Das folgende Praxisbeispiel zeigt, worauf Maschinen- und Anlagenbauer achten sollten und wie die VDMA Welt-Montage-Police typische Deckungslücken schließen kann.
Für Maschinen- und Anlagenbauer ist die Montageversicherung weit mehr als eine versicherungstechnische Nebensparte. Im Schadenfall entscheidet sie darüber, ob ein Projekt wirtschaftlich beherrschbar bleibt oder ob Schäden am eigenen Liefer- und Leistungsumfang, an beigestellten Teilen oder an bereits vorhandenen Anlagenteilen aus der eigenen Bilanz getragen werden müssen. Besonders anspruchsvoll wird es bei internationalen Projekten.
In der Beratungspraxis begegnen den Mitarbeitenden der VSMA GmbH häufig Fehlvorstellungen. Sie klingen zwar plausibel, können im Ernstfall aber teuer werden. Denn Montageumsatzverträge unterscheiden sich erheblich. So gilt etwa nicht jeder Vertrag rechtlich und praktisch weltweit.
Irrtum: „Unser Montagevertrag gilt weltweit.“
Die meisten Unternehmen gehen davon aus, dass ihr Montageumsatzvertrag weltweit gilt. Auf den ersten Blick ist das nachvollziehbar, denn Maschinen- und Anlagenbauer arbeiten international, häufig mit wechselnden Projektorten, kurzen Vorlaufzeiten und hohen Anforderungen aus Liefer- oder EPC-Verträgen.
Die maßgebliche Frage lautet jedoch nicht, ob ein deutscher Vertrag dem Wortlaut nach weltweiten Versicherungsschutz vorsieht. Entscheidend ist vielmehr, ob dieser Schutz im jeweiligen Land rechtlich zulässig ist, ob er gegenüber dem Auftraggeber nachgewiesen werden kann und ob der Versicherer im Schadenfall tatsächlich leisten darf.
Warum eine deutsche Police oft nicht ausreicht
Innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) lassen sich Montageprojekte in der Regel deutlich einfacher über einen deutschen oder europäischen Versicherungsvertrag absichern. Außerhalb des EWR bestehen hingegen häufig lokale Versicherungs-, Zulassungs- oder Steueranforderungen. Zudem akzeptieren viele Länder eine reine Deckung aus Deutschland nicht oder nur eingeschränkt.
Wird gegenüber einem Auftraggeber oder einem Finanzierer ein Versicherungsnachweis verlangt, reicht eine deutsche Police deshalb oft nicht aus. Dann wird eine lokale Grundpolice benötigt. Diese kann mithilfe der VSMA entweder vom deutschen Maschinen- und Anlagenbauer über einen lokalen Versicherer beziehungsweise eine Fronting-Struktur organisiert werden oder vom Besteller bereitgestellt werden.
Problematisch ist die Außenwirkung: Zwar kann aus Deutschland heraus häufig das eigene wirtschaftliche Interesse geschützt werden. Es ist jedoch nicht möglich, in jedem Land eine vollwertige, lokal anerkannte Montageversicherung für das Projekt zu „stellen“. Hinzu kommen länderspezifische Ausschlüsse und Sanktionsklauseln. Russland, Belarus und die Ukraine sind diesbezüglich mittlerweile Standardthemen. Darüber hinaus gibt es zunehmend Ausschlusslisten für weitere Staaten wie Iran, Nordkorea, Kuba, Myanmar und andere. In einzelnen Vertragswerken können diese Listen erheblich anwachsen. Ein pauschales „weltweit“ ist deshalb nicht mehr belastbar.
Die VDMA Welt-Montage-Police als Lösung für internationale Projekte
Die VDMA Welt-Montage-Police (WMP) basiert auf einem mehrstufigen Schutzkonzept. Wo eine lokale Police erforderlich ist, wird diese in das Versicherungskonzept einbezogen. Ergänzend kann die WMP eine Konditionsdifferenz- und Schutzversicherung vorsehen. International entspricht dies dem Konzept einer Difference in Conditions (DIC-Deckung) beziehungsweise Difference in Limits (DIL-Deckung) und – sofern eine direkte Projektversicherung vor Ort nicht möglich ist – einem Financial Interest Cover.
In der VSMA-Terminologie wird dies auch als Bilanzschutz beziehungsweise Ausfalldeckung bezeichnet. Geschützt wird das eigene wirtschaftliche Interesse des deutschen Unternehmens. Wichtig ist dabei eine ehrliche Einordnung: Es handelt sich nicht um einen lokalen Versicherungsnachweis zugunsten des Bestellers, sondern um ein sehr wirkungsvolles Instrument, um die eigene Bilanz gegen internationale Deckungslücken abzusichern.
Fazit
Internationale Montageprojekte werden immer komplexer – damit steigen auch die Anforderungen an den Versicherungsschutz. Umso wichtiger ist es, Montageumsatzverträge regelmäßig auf Aktualität, internationale Einsetzbarkeit und ausreichende Deckung zu überprüfen. Eine fachliche Überprüfung vor Projektbeginn kann spätere Überraschungen vermeiden.
Beitragsbild: Chat GPT
Kontakt:
Herr Guido Herren
VSMA GmbH – ein Unternehmen des VDMA
Telefon +49 69 6603-1478
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