Geopolitische Konflikte und protektionistische Handelstendenzen verändern die weltweiten Lieferketten. Für den Maschinen- und Anlagenbau bedeutet das: längere Transportwege, höhere Unsicherheiten und steigende Anforderungen an den Versicherungsschutz. Die Transportversicherung steht unter Druck – eine frühzeitige Bewertung und präventive Absicherung der Exponierung werden damit wichtiger denn je. Der Artikel zeigt, wie sich die Risiken verschieben und welche strategischen Schritte jetzt entscheidend sind.
Konfliktregionen und ihre Folgen für die Transportversicherung
Die anhaltende Instabilität der geopolitischen Ordnung belastet die Transportversicherung zunehmend. In mehreren kritischen Regionen haben Versicherer die sogenannten „politischen Gefahren“ – also Kriegs-, Streik-, Aufruhr- und Beschlagnahmerisiken – bereits gekündigt. Besonders betroffen sind das Kriegsgebiet zwischen der Ukraine, Russland und Belarus sowie Teile des Roten Meers infolge der Angriffe der Huthi-Rebellen. Viele Versicherer fordern inzwischen vollständige Territorialausschlüsse für diese Gebiete.
Auch die Eskalation im Nahen Osten hat Auswirkungen auf die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus: Vor allem Lieferketten (Seefracht/Projektlogistik), Montage- und Baustellenrisiken sowie das Personenrisikomanagement sind betroffen. Im Transportmarkt sind bereits erste Reaktionen erfolgt: War-Risk-Deckungen wurden für definierte Gebiete gekündigt oder neu bepreist. Zudem werden Angebote teilweise nur noch „voyage by voyage“ (einzelfallbezogen) bestätigt. Stand Mitte März 2026 haben viele deutsche Versicherungsgesellschaften die Kriegsgefahren für einen ausgewiesenen territorialen Bereich gekündigt. Wiedereinschlüsse sind nur unter Einzelfallprüfung möglich.
Auswirkungen der „Five Powers War Clause“
Zunehmend rückt zudem die sogenannte „Five Powers War Clause“ in den Fokus. Sie betrifft die Kriegsrisikoversicherung und schließt sämtliche Verluste, Schäden oder Kosten aus, die aus einem Krieg – ob mit oder ohne Kriegserklärung – zwischen den fünf Atommächten USA, Vereinigtes Königreich, Frankreich, Russland und China entstehen.
Im Gegensatz zu den üblichen Kriegsklauseln greift sie ohne Kündigungsfrist: Sobald ein Konflikt zwischen den genannten Staaten ausbricht, entfällt der Versicherungsschutz sofort – auch für laufende Transporte. Das stellt eine erhebliche Deckungseinschränkung dar.
Ziel der VSMA ist es daher, die Vereinbarung dieser Klausel zu verhindern oder zumindest zu verzögern, um den Versicherungsschutz der Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau langfristig zu sichern.
Neue Zölle und ihre Folgen für den Maschinen- und Anlagenbau
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump verfolgt eine protektionistische Handelspolitik, die für exportorientierte Branchen wie den Maschinen- und Anlagenbau gravierende Folgen hat. Seit 2025 wurden bestehende Importzölle mehrfach geändert, erhöht und um zusätzliche Sonderzölle ergänzt – unter anderem auf Maschinen, Komponenten sowie verschiedene Grundstoffe wie Stahl und Aluminium.
Gemeinsam ist allen Maßnahmen: Die politischen Vorgaben aus den USA wechseln oft und sind damit unvorhersehbar. Umfang, Höhe und Geltungsbereich einzelner Zölle können sich innerhalb weniger Wochen verschieben. Für Unternehmen bedeutet das eine anhaltende Unsicherheit bei der Kalkulation von Lieferkosten und beim Einsatz internationaler Transportwege. Viele prüfen daher alternative Routen über Drittstaaten oder passen ihre Logistikprozesse kurzfristig an, um auf neue Regelungen reagieren zu können. Solche Umleitungen führen zu längeren Transportzeiten, zusätzlichen Umschlagsorten und insgesamt komplexeren logistischen Abläufen.
Auswirkungen der Handelspolitik auf die Transportversicherung
Die längeren und komplexeren Lieferketten haben unmittelbare Auswirkungen auf die Transportversicherung. Versicherer verlangen bei geänderten Routen oder zusätzlichen Zwischenlagern eine Neubewertung des Risikos – das kann sich in höheren Prämien oder strengeren Vertragsbedingungen zeigen. Gleichzeitig steigen durch die erhöhten Zölle die Warenwerte (CIF-Wert inklusive Zoll) vieler Sendungen: Werden Versicherungssummen oder Deckungsmaxima nicht entsprechend angepasst, besteht dadurch die Gefahr einer Unterdeckung im Schadenfall.
Die VSMA empfiehlt daher dringend, im Rahmen von Aufträgen in die USA die Zollkosten im Warenwert zu berücksichtigen und Versicherungsverträge entsprechend anzupassen. Auch sollten Standzeiten an US-Grenzen und verzögerte Lieferprozesse bei der Auftragsgestaltung einkalkuliert werden.
Die VDMA Welt-Transport-Police (WTP): Eine Branchenlösung mit Geschichte
Die WTP wurde speziell für den Maschinen- und Anlagenbau entwickelt und deckt sämtliche Transportarten weltweit ab. Sie entstand bereits 1929 als erste umfassende Branchenlösung ihrer Art – und war ihrer Zeit weit voraus. Dass sie bis heute nahezu unverändert genutzt wird, macht sie zum ältesten noch gültigen Bedingungswerk der Branche. Ein überzeugender Beleg für die Qualität der ursprünglichen Konzeption.
Mehr Informationen unter:
www.vsma.de/vdma-branchenloesungen/vdma-welt-transport-police/
Fazit und Handlungsempfehlungen für den Maschinen- und Anlagenbau
Solange sich die geopolitische Lage nicht stabilisiert, ist in der Transportversicherung nicht mit einer Entspannung zu rechnen. Vielmehr reagieren Versicherer mit restriktiver Zeichnungspolitik, territorialen Ausschlüssen und höheren Anforderungen an die Risikobewertung. Auch aktuelle wirtschaftspolitische Entwicklungen wie die US-Zollpolitik wirken sich direkt auf die Transportversicherung aus, da sie zu steigenden Warenwerten und komplexeren Lieferketten führen.
Umso wichtiger ist ein umsichtiges Risikomanagement, das technische und wirtschaftliche Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus sollten insbesondere:
- Versicherungssummen und Maxima regelmäßig prüfen und an gestiegene Warenwerte anpassen
- Risikomanagementprozesse für Transport, Verpackung, Verladung und Ladungssicherung laufend aktualisieren
- Zusatzrisiken bei alternativen Routen berücksichtigen und logistische Abläufe entsprechend absichern
- Mögliche Verzögerungen und Kostensteigerungen in Verträgen und Zeitplänen einkalkulieren
Die globale Unsicherheit verlangt nach kontinuierlicher Aufmerksamkeit und Anpassung. Ein strukturiertes Risikomanagement und eine aktuelle, sorgfältig abgestimmte Versicherungsgestaltung bleiben zentrale Voraussetzungen, um Lieferketten zu schützen und die wirtschaftliche Stabilität zu sichern.
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Kontakt:
Herr Torsten Wieland
VSMA GmbH – ein Unternehmen des VDMA
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