Das diesjährige GVNW-Symposium fand vom 10. bis 12. September in Unterschleißheim statt und stand unter dem Motto „Versicherung.Global.Managen“. Mehr als 800 Fachleute aus Industrie und Versicherungswirtschaft diskutierten über aktuelle Marktentwicklungen und innovative Ansätze im Risikomanagement. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei drei Themen: den zunehmenden Klimarisiken, der umstrittenen PFAS-Musterklausel des Gesamtverbands der Versicherer (GDV) und der neuen Datenplattform ORDA.

Versicherungsmarkt zeigt Aufweichungstendenzen
Die GVNW-Tagung 2025 fiel in eine Phase spürbarer Veränderungen: Nach Jahren stark steigender Prämien zeigen sich in vielen Sparten deutliche Aufweichungstendenzen – besonders in der D&O-, aber auch in der Sach- und Cyberversicherung. Davon profitieren vor allem große Konzerne. „Der Mittelstand kann bisher nur eingeschränkt teilhaben, obwohl die Schadenquoten dort mindestens genauso gut sind“, erklärt Birger Jeurink, Vorstandsmitglied des GVNW und Geschäftsführer der VSMA GmbH. „Es wäre wünschenswert, dass sich die positiven Marktbewegungen auch in den Prämien der von uns betreuten mittelständischen Maschinen- und Anlagenbauer niederschlagen.“

Neben den günstigen Tendenzen in einzelnen Sparten bleiben andere Bereiche herausfordernd. So stellen beispielsweise US-Haftpflichtrisiken nach wie vor ein Problem dar. Zwar lassen sich derzeit noch Lösungen finden, doch die wachsende Zurückhaltung der Versicherer schränkt die verfügbaren Limite und Deckungsstrukturen ein. Schwierige Rahmenbedingungen bestehen aktuell außerdem in der Kfz-Flottenversicherung sowie im Kranken- und Belegschaftsgeschäft. Laut GVNW zeichnet sich darüber hinaus ab, dass die Deckungslücken bei systemischen Risiken branchenübergreifend wachsen. Davon sind viele kleine und mittelgroße Unternehmen betroffen.

Klimawandel und systemische Risiken
Bei den Gesprächen über systemische Risiken stand die Absicherung von Elementarrisiken wie Sturm, Starkregen oder Überschwemmungen im Mittelpunkt. Fakt ist: Für viele Unternehmen ist es schwierig, ausreichenden Versicherungsschutz zu bekommen. Laut einer aktuellen Umfrage des GVNW haben mittlerweile rund 30 Prozent der Mitgliedsunternehmen erhebliche Probleme, passende Policen oder ausreichende Kapazitäten zu erhalten – der Verband rechnet damit, dass sich die Lage weiter verschärft.

Politisch sind erste Ansätze erkennbar: Die Bundesregierung plant für Privathaushalte eine Pflichtversicherung gegen Elementarrisiken sowie eine staatliche Rückversicherung. Auf europäischer Ebene haben die Europäische Zentralbank (EZB) und die Versicherungsaufsichtsbehörde Eiopa ebenfalls eine Rückversicherung vorgeschlagen. Der GVNW begrüßt diese Vorstöße, weist jedoch darauf hin, dass auch die Interessen der Unternehmen berücksichtigt werden müssen. Er fordert eine Opt-out-Lösung: Die Versicherer stellen ein Angebot bereit und die Unternehmen entscheiden, ob sie die Elementardeckung abschließen möchten. Der Vorschlag stieß nicht auf volle Zustimmung. Ein Panelteilnehmer sah keinen Bedarf für eine Angebotspflicht mit Abwähloption.

Einigkeit herrschte hingegen darüber, dass dem Thema Prävention bei Klimarisiken eine maßgebliche Bedeutung zukommt. „Versicherungstechnisch werden wir das nicht in den Griff bekommen, wenn keine Vorsorge getroffen wird“, betonte Birger Jeurink.

PFAS-Risiken sorgen weiter für Diskussionen
In den Paneldiskussionen rückten neue, komplexe Risiken in den Blickpunkt, allen voran PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), die sogenannten „Ewigkeitschemikalien“. Im April hatte der GDV dazu eine viel diskutierte Musterklausel vorgestellt. Mithilfe dieser Klausel können Versicherer Schäden durch PFAS zunächst ausschließen und anschließend im Einzelfall mit den Kunden festlegen, unter welchen Bedingungen und in welcher Höhe Schäden durch bestimmte PFAS-Verbindungen wieder versichert werden.

Der GVNW hält diese Musterklausel für rechtswidrig. Das habe ein beauftragtes Rechtsgutachten ergeben, erklärte GVNW-Chef Patrick Fiedler bei der Eröffnung des diesjährigen Symposiums. Auch die VSMA bewertet die Klausel kritisch. Geschäftsführer Birger Jeurink kommentiert: „Mit der neuen Klausel sendet der GDV ein verheerendes Signal: Statt sich in einer sensiblen Übergangsphase als Partner der Industrie zu positionieren, schafft er zusätzliche Unsicherheit und erhöht den wirtschaftlichen Druck auf den industriellen Mittelstand.“

ORDA – eine neue Plattform für Risikodaten
Auch die Digitalisierung der Industrieversicherung stand auf der Agenda. Ein zentrales Projekt in diesem Bereich ist die Open Risk Data Association (ORDA), die Ende 2024 aus der RD-X-Initiative hervorgegangen ist. ORDA hat sich zum Ziel gesetzt, den Austausch von Risikodaten zwischen Industrie, Versicherern und Maklern zu standardisieren und zu vereinfachen. Unterstützt von namhaften Unternehmen wie Zurich, Swiss Re Corporate Solutions, HDI Global, Marsh und Funk, soll eine gemeinsame Plattform entstehen, die Transparenz schafft und den Aufwand bei Risikoanalysen und Underwriting reduziert.

Auf der GVNW-Tagung wurden die Fortschritte des Projekts vorgestellt: Die Datenstandards werden derzeit definiert, ein erster Mindestfunktionsumfang steht, und ein Vertrag mit dem Technologieanbieter Gravity für Verwaltung, Sicherheit und Monetarisierung der Plattform wurde abgeschlossen. ORDA plant, die Schnittstelle ab der zweiten Jahreshälfte 2026 produktiv einzusetzen, zunächst für die Sachversicherung, mittelfristig auch für andere Sparten. Damit könnte die Initiative zu einem wichtigen Meilenstein werden, um die Zusammenarbeit in der Industrieversicherung effizienter und zukunftssicher zu gestalten.

Beitragsbild: GVNW e.V. / wolterfoto

Kontakt:
Herr Birger Jeurink
VSMA GmbH – ein Unternehmen des VDMA
Telefon +49 69 6603-1521
bjeurink[at]vsma.org

image_pdfPDFimage_printDrucken