Die Sicherheitslage im Nahen Osten hat sich deutlich verschärft. Erste Reaktionen des Versicherungsmarktes zeigen sich bereits: War-Risk-Deckungen werden für einzelne Regionen angepasst oder gekündigt, kurzfristige Anpassungen von Versicherungsbedingungen und Prämien sind möglich. Der Beitrag fasst die wichtigsten Auswirkungen der aktuellen Krisensituation auf die Transportversicherung zusammen.

Aktuelle Lage und erste Reaktionen
Die Lage im Nahen Osten hat sich zuletzt deutlich zugespitzt. Für die Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau hat das Auswirkungen: Vor allem Lieferketten (Seefracht/Projektlogistik), Montage- und Baustellenrisiken sowie das Personenrisikomanagement sind betroffen.

Im Transportmarkt sind bereits erste Reaktionen erfolgt: War-Risk-Deckungen werden für definierte Gebiete gekündigt oder neu bepreist. Zudem werden Angebote teilweise nur noch „voyage by voyage“ (einzelfallbezogen) bestätigt. Stand Anfang März (05.03.2026) hat noch keine deutsche Versicherungsgesellschaft die Kriegsgefahren gekündigt. Dies kann sich jedoch kurzfristig ändern.

In anderen Versicherungssparten hingegen, etwa der Schiffskaskoversicherung oder der Charterer’s-Liability-Versicherung – einer speziellen Deckung für Charterer zur Absicherung von Haftungsrisiken aus dem Chartervertrag – sind bereits entsprechende Sonderkündigungen von Kriegsrisiken für die Golfregion ausgesprochen worden.

Aktuelle Änderungen am Versicherungsmarkt im Überblick

  • Kurzfristige War-Risk-Kündigungen oder Ausschlüsse für definierte Gebiete – teilweise mit sehr kurzen Fristen von 48 Stunden.
  • Spürbare Prämien- und Konditionsbewegungen: War-Risk-Zuschläge und Hull- und Cargo-Konditionen werden kurzfristig angepasst; Angebote sind teils stark befristet.
  • Mehr operative Anforderungen: Umleitungen von Transporten, Zwischenlagerungen und längere Transitzeiten erhöhen die Schaden- und Kostenrisiken (unter anderem durch Lager- und Standgelder, Verzögerungen, Vertragsstrafen).
  • Sanktions- und Compliance-Risiko: Änderungen oder Erweiterungen von Sanktionen können Versicherbarkeit und operative Abwicklung beeinflussen.

Auswirkungen auf wichtige Seehandelsrouten
Im Roten Meer und am Suezkanal besteht weiterhin erhebliche Gefahr durch Angriffe der Huthi-Milizen. Dadurch entsteht ein durchgehender Risikokorridor vom Persischen Golf bis zum Mittelmeer. Viele Reedereien meiden nun vorsorglich den Suezkanal und die Bab-el-Mandab-Passage, was weitere Umwege und Verzögerungen verursacht. Stattdessen wird das Kap der Guten Hoffnung verstärkt befahren. Eine Entwicklung, die dort für erheblich mehr Schiffsverkehr sorgt und teilweise zu Staus bei der Abfertigung führt.

Die Umleitungen um Afrika verursachen deutliche Mehrkosten durch längere Fahrzeiten und höhere Treibstoffverbräuche. Reedereien wie Hapag-Lloyd und CMA CGM haben Kriegsrisikozuschläge eingeführt, die Transportkosten steigen deutlich. Die längeren Rundläufe binden etwa 2,5 Millionen TEU Containerkapazität, was die Frachtraten auf Ost-West-Routen hochhält. Die gesamte Netzwerkrotation wird gestört – Staus in Häfen und ungleichmäßige Containerströme in Europa sind die Folge. Auch Binnentransporte in Europa können betroffen sein, da verspätete und gebündelte Ankünfte die Planungen erschweren.

Diese Punkte sollten Unternehmen jetzt prüfen

  • Transporte identifizieren: Welche Sendungen oder Projekte sind in den nächsten 14 bis 30 Tagen geplant (See/Luft/Land)? Die Prüfung sollte neben den Transportrouten auch Zwischenlager sowie die vereinbarten Incoterms umfassen.
  • Deckung prüfen: Bestehende Policen sollten daraufhin überprüft werden, welche Gebietslisten, Sublimits oder Ausschlüsse gelten und welche Kündigungsrechte oder Fristen vereinbart sind.
  • Verzögerungs-/Mehrkostenrisiken bewerten: Zu prüfen ist insbesondere, ob Zwischenlagerungen, Umleitungen von Transporten oder verlängerte Transitzeiten zu zusätzlichen Kosten führen können und ob hierfür Versicherungsschutz besteht.
  • Sanktionsprüfung durchführen: Empfänger, Banken, Carrier, Häfen und beteiligte Dienstleister sollten mit aktuellen Sanktionslisten abgeglichen werden (Dokumentation sichern).
  • Personenrisiko: Reise- und Entsendepläne sollten überprüft, Notfallkontakte aktualisiert und gegebenenfalls Krisenkommunikations- oder Assistance-Leistungen vorbereitet werden.

Unterstützungsangebote für Kunden der VSMA GmbH
Die VSMA beobachtet die aktuelle Entwicklung im Nahen Osten aufmerksam und unterstützt die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus bei der Bewertung möglicher Auswirkungen auf Transportprojekte, Lieferketten und Versicherungsschutz. In der aktuellen Situation koordinieren wir in enger Abstimmung mit den Operativ- und Logistikteams unserer Kunden insbesondere folgende Maßnahmen:

  • Deckungs- und Prämienbestätigungen für anstehende Transporte, insbesondere bei War-Risk-Deckungen und kurzfristigen Marktanpassungen.
  • Abstimmungen zu Umleitungen/Vertragsklauseln wie beispielsweise Incoterms, Force-Majeure-Klauseln oder Haftungsgrenzen.
  • Prüfung von Reise- und Entsendesituationen für Mitarbeitende, einschließlich Assistance-Strukturen und möglicher Evakuierungsketten.

Wichtiger Hinweis: Wenn Sie aktuell Transporte oder Projekte im oder durch den Nahen Osten (inklusive Golfregion/Engpässe) planen, melden Sie sich bitte vor dem Versand beziehungsweise der Verladung, damit wir alle Eventualitäten abklären können.

Stand: 05.03.2026

Beitragsbild: FOTOGRIN / Shutterstock

Kontakt:
Herr Torsten Wieland
VSMA GmbH – ein Unternehmen des VDMA
Telefon +49 69 6603-1543
twieland[at]vsma.org

 

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