Der Versicherungsmarkt für den Maschinen- und Anlagenbau hat sich zuletzt entspannt – bleibt aber selektiv und anspruchsvoll. Während gut aufgestellte Unternehmen wieder über Entlastungen verhandeln können, prägen neue Risiken, steigende Vorgaben und begrenzte Kapazitäten weiterhin das Marktumfeld. Birger Jeurink, Geschäftsführer der VSMA, ordnet die Marktentwicklungen im Interview ein, benennt zentrale Risikobereiche und zeigt, warum Prävention und aktives Risikomanagement zunehmend über Versicherbarkeit entscheiden.
Herr Jeurink, wie stellt sich die aktuelle Entwicklung des Versicherungsmarkts aus Ihrer Sicht dar – insbesondere mit Blick auf den Maschinen- und Anlagenbau?
Der „harte“ Markt hat sich etwas entspannt. Das heißt aber leider nicht, dass es keine Preissteigerungen mehr gibt. Unternehmen mit schwachem Schutzniveau können weiter mit steigenden Prämien konfrontiert werden. Wer gut aufgestellt ist, kann hingegen jetzt über Entlastungen oder Deckungserweiterungen verhandeln. Entscheidend sind die konkrete Risikostruktur und -kultur des Unternehmens. Eine Ausnahme ist die Kfz-Versicherung: Dort sind weitere Anpassungen zu erwarten, die selbst bei positiver Schadenentwicklung bei rund zehn Prozent liegen dürften – bei schlechter Schadenentwicklung sogar deutlich höher.
Was sich nicht verändert hat: Die Kapazitäten bleiben begrenzt. Besonders in den Bereichen Sachversicherung (Feuer, Naturgefahren) und Haftpflicht gehen die großen Industrieversicherer nicht mehr mit einem „Füllhorn“ an Kapazitäten in den Markt, wie das in früheren Marktphasen teilweise der Fall war. Es wird heute definitiv selektiver gezeichnet.
Von den insgesamt verbesserten Rahmenbedingungen können grundsätzlich auch die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus profitieren. Von allein sinken die Prämien allerdings nicht, auch wenn der Wettbewerb unter den Versicherern wieder spürbar zugenommen hat. Der Markt bleibt ein Verhandlungsmarkt. Entlastungen entstehen dort, wo Risiken aktiv platziert und mit den Versicherern auf Augenhöhe diskutiert werden.
Warum kann der industrielle Mittelstand von diesen Marktentwicklungen oft weniger profitieren als große Konzerne?
Konzerne lösen mit ihrer Größe und ihrem Prämienvolumen für Versicherer sofort spürbaren Wettbewerb aus. Genau dieser Effekt fehlt im Mittelstand häufiger oder wirkt langsamer.
Das belegt auch die letzte Umfrage des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW): Viele mittelständische Unternehmen nehmen positive Marktentwicklungen bei sich nur zeitversetzt oder eingeschränkt wahr.
Deshalb ist es mir wichtig, die Perspektive der mittelständischen Industrie im GVNW stärker einzubringen und strukturell sichtbar zu machen. Als Geschäftsführer der VSMA sehe ich es zugleich als unsere Aufgabe, die spezifischen Anforderungen des Maschinen- und Anlagenbaus gegenüber der Versicherungswirtschaft klar und mit Nachdruck zu vertreten.
Welche Rolle spielt vor diesem Hintergrund die Ausrichtung der VSMA als unabhängiger, mittelständischer Spezialmakler?
Die VSMA ist eine hundertprozentige Servicetochter des VDMA e. V. und das prägt unsere Arbeit ganz wesentlich: Im Mittelpunkt stehen die Interessen der Mitgliedsunternehmen, nicht kurzfristige Renditeziele. Diese Unabhängigkeit schafft die notwendige Freiheit, Themen und Bedarfe der Branche sachlich und konsequent zu adressieren.
Gleichzeitig ermöglicht unsere mittelständische Struktur genau die Reaktionsfähigkeit, die der Mittelstand in einem selektiven Marktumfeld benötigt. Kurze Entscheidungswege und der konsequente Fokus auf eine Branche erlauben es uns, nah an den Unternehmen zu arbeiten und ihre spezifischen Anforderungen genau zu kennen. So können neue Risiken, Marktveränderungen oder regulatorische Entwicklungen frühzeitig aufgegriffen, eingeordnet und in den Dialog mit den Versicherern eingebracht werden.
Wenn wir auf die Risiken schauen: Welche Risikobereiche beschäftigen die VDMA-Mitgliedsunternehmen derzeit besonders?
Die Risikolandschaft im Maschinen- und Anlagenbau ist heute komplexer und individueller. Es gibt kein dominantes „Branchenrisiko“, sondern verschiedene Themen, die je nach Geschäftsmodell, Internationalität und Standort unterschiedlich stark ins Gewicht fallen.
Sehr präsent sind weiterhin Digitalisierungs- und Cyberrisiken. Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Cyberangriffe, sondern um vernetzte Produktionsumgebungen, OT-Systeme, Automatisierung und Industrie 4.0. Mit dem zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz entstehen zusätzliche Unsicherheiten, etwa dort, wo technische Entwicklungen schneller voranschreiten als Sicherheitskonzepte und klare Zuständigkeiten. Cyber bleibt damit das zentrale Risiko, das nahezu alle Maschinen- und Anlagenbauer beschäftigt.
Ein weiteres Thema sind Haftpflichtrisiken. Dazu zählen klassische Produkthaftungsfragen ebenso wie Haftungsrisiken bei US-Exporten oder im Zusammenhang mit Industrie 4.0. Auch die Diskussion um PFAS sorgt weiter für Unsicherheit. Der vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vorgeschlagene pauschale PFAS-Haftungsausschluss hat Fragen zur zukünftigen Belastbarkeit bestehender Deckungen aufgeworfen. Auch wenn wir für unsere Kunden bisher solche Ausschlüsse vermeiden konnten, sehen wir diese vermehrt am Markt. Das Thema bleibt also präsent und beeinflusst die Risikobewertung.
Exportrisiken spielen für den Maschinen- und Anlagenbau naturgemäß ebenfalls eine wichtige Rolle, insbesondere im Transport- und Montagegeschäft sowie bei internationalen Projekten. Globale Spannungen, veränderte Lieferketten und politische Unsicherheiten erhöhen hier die Anforderungen an Planung und Absicherung. Elementarrisiken werden dagegen sehr standortabhängig wahrgenommen und stehen häufig noch nicht im Vordergrund, auch wenn ihre Bedeutung langfristig zunimmt.
In unseren Gesprächen geht es allerdings derzeit viel häufiger um die Frage der Angemessenheit bestehender Versicherungskonzepte als um konkrete Risiken. Viele Unternehmen stellen sich zum Beispiel die Frage, ob ihre Versicherungssummen noch zur tatsächlichen Risikolandschaft passen – und wo eventuell nachjustiert werden sollte.
Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Thema Prävention?
Prävention ist zu einem zentralen Faktor für Versicherbarkeit geworden. Versicherer schauen heute sehr genau darauf, wie Unternehmen mit ihren Risiken umgehen, bevor sie Kapazitäten bereitstellen oder Deckungen erweitern.
Gerade im Cyberbereich ist Prävention mittlerweile Voraussetzung. Unternehmen, die definierte Sicherheitsstandards, klare Prozesse und ein hohes Awareness-Niveau vorweisen können, haben deutlich bessere Chancen auf tragfähige Deckungskonzepte. Ohne entsprechende Maßnahmen ist in vielen Fällen bereits die grundsätzliche Zeichnungsbereitschaft eingeschränkt.
Auch im Sachbereich gewinnt Prävention weiter an Bedeutung, insbesondere im Bereich Brandschutz, aber auch bei Automatisierungsprojekten, Photovoltaik oder E-Mobilität. Technische Schutzkonzepte und frühzeitige Abstimmungen mit Versicherern sind bei Modernisierungen und Sanierungen entscheidend, um Risiken beherrschbar zu halten.
Ähnliches gilt für Elementarrisiken. Unternehmen müssen sich intensiver mit ihren Standorten auseinandersetzen und entscheiden, welche Risiken sie akzeptieren, welche sie absichern und wo präventiv investiert werden sollte. Prävention beginnt hier nicht erst beim baulichen Schutz, sondern bei Standortentscheidungen und der langfristigen Planung.
Insgesamt lässt sich sagen: Unternehmen, die ihre Risiken aktiv managen und präventiv handeln, treten insgesamt deutlich selbstbewusster am Markt auf. Sie verbessern nicht nur ihre Versicherbarkeit, sondern schaffen auch bessere Voraussetzungen für stabile Vertragsgestaltungen und belastbare Deckungskonzepte.
Präventionsangebote der VSMA: Jetzt neu – die Klimaszenarioanalyse
Zum Portfolio der VSMA gehören auch zahlreiche Präventionsmaßnahmen. Neu ist jetzt ein Risikomanagement-Werkzeug, das Unternehmen dabei unterstützt, sich auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten: die VSMA Klimaszenarioanalyse.
Die VSMA Klimaszenarioanalyse bietet Unternehmen je nach gewünschtem Leistungsumfang:
• Portfolioanalysen für mehrere Standorte oder Zulieferer
• Detaillierte Bewertungen für einzelne Standorte
• Prognosen auf Basis verschiedener Klimaszenarien und Zeithorizonte
• Konkrete Anpassungsvorschläge pro Gefahr
• Visualisierte Ergebnisse als transparente Entscheidungsgrundlage
• Unterstützung bei der Erfüllung von Berichtspflichten der CSRD
Die Analyse wird in Zusammenarbeit mit den erfahrenen Risikoingenieuren der Zurich Resilience Solutions durchgeführt. Die VSMA begleitet den Prozess und stellt sicher, dass die spezifischen Anforderungen des Maschinen- und Anlagenbaus berücksichtigt werden.
Die VSMA Klimaszenarioanalyse steht Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus zu Sonderkonditionen zur Verfügung. Mehr dazu: www.vsma.de/klimaszenarioanalyse
Mit Blick nach vorn: Was sollten Maschinen- und Anlagenbauer im Risiko- und Versicherungsmanagement besonders im Blick behalten – und wie kann die VSMA dabei konkret unterstützen?
Für die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus wird es immer wichtiger, Risiken frühzeitig, strukturiert und kontinuierlich zu betrachten. Versicherungsmanagement ist längst keine rein administrative Aufgabe mehr, sondern entwickelt sich zunehmend zu einer strategischen Fragestellung, insbesondere für exportorientierte Unternehmen in einem politisch und wirtschaftlich volatilen Umfeld.
Entscheidend ist dabei aus meiner Sicht der stetige Austausch zwischen Unternehmen und Versicherungsmakler. Die Risikolandschaft im Maschinen- und Anlagenbau ist stark diversifiziert und verändert sich laufend, etwa durch neue Technologien, neue Märkte oder veränderte geopolitische Rahmenbedingungen. Werden diese Veränderungen nicht aktiv kommuniziert, entstehen schnell Lücken zwischen tatsächlichem Risiko und bestehendem Versicherungsschutz. In der Praxis geht es daher häufig um grundlegende Fragen: Passen die bestehenden Strukturen und Programme noch zur aktuellen Risikosituation? Sind die Versicherungssummen noch angemessen? Wo lohnt es sich, Beiträge zu optimieren, und wo ist es sinnvoller, gezielt in höhere Deckungen oder bessere Absicherung zu investieren?
An dieser Stelle setzt die Arbeit der VSMA an. Wir begleiten Maschinen- und Anlagenbauer langfristig und persönlich, mit festen Ansprechpartnern und einem tiefen Verständnis für die Branche. Unser Anspruch ist es, Risiken nicht nur abzusichern, sondern in ihrer Entwicklung und Wirkung zu verstehen. Dazu gehören regelmäßige Gespräche zur Risikosituation, zur Unternehmensentwicklung und zu geplanten Veränderungen ebenso wie die Übersetzung komplexer internationaler Marktanforderungen in individuelle Versicherungskonzepte. Unser Ziel ist es, Orientierung zu geben, Handlungsspielräume aufzuzeigen und unsere Kunden in einem zunehmend anspruchsvollen Marktumfeld konstant und zuverlässig zu begleiten.
Kostenloser Versicherungs-Check für VDMA-Mitgliedsunternehmen
Als Versicherungsabteilung des VDMA e. V. und Spezialmakler für den Maschinen- und Anlagenbau berät die VSMA seit 100 Jahren die Mitgliedsunternehmen in Risiko- und Versicherungsfragen. VDMA-Mitglieder profitieren dabei von einem exklusiven Service:
Mit dem VDMA Versicherungs-Check bieten wir Ihnen eine unabhängige erste Einschätzung Ihrer Versicherungskonzeption an. Der Check umfasst die Sichtung Ihrer bestehenden Absicherung, die Einschätzung des Optimierungspotenzials – auch im Hinblick auf mögliche Kostenentlastungen – sowie eine persönliche Beratung zu den Ergebnissen.
Nutzen Sie diese Leistung, die Ihnen mit Ihrer VDMA-Mitgliedschaft bereits zusteht, und prüfen Sie Ihre Optimierungsoptionen!
Hier können Sie einen Termin für den Versicherungs-Check vereinbaren: www.vsma.de/versicherungs-check/
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Kontakt:
Herr Birger Jeurink
VSMA GmbH – ein Unternehmen des VDMA
Telefon +49 69 6603-1521
bjeurink@vsma.org




